Büste »Maria Pawlowna« von Peter Kaufmann, 1820

Ilja Streit · Restauratoren

06. Dezember 2019

Das Epitaph für Hans Ziegler – ein Schmuckstück mit Renaissance Polychromie

Im Jahr 2016 erhielten wir durch die Kaufmannsgemeinde in Erfurt den Auftrag, das Renaissance Epitaph für Hans Ziegler von 1584 zu untersuchen. Dabei fanden wir heraus, dass auf dem Sandsteinepitaph aus der Erfurter Bildhauerwerkstatt Hans Friedemann, die Farbfassung der Renaissance erhalten ist. Bereits im 19. Jahrhundert erfolgten verschiedene Eingriffe in den Bestand. Vierungen wurden eingebaut, Stifterfiguren, Wappen und Schriftfelder überfasst und Profile sowie Ornamente neu vergoldet.
Zum Zeitpunkt der Untersuchung war der Gesamteindruck des Epitaphs von einer kontrastarmen und undifferenzierten, wie von einem grauen Schleier verhangenen Farbigkeit, dominiert. Die Bleiweißfassung war vollständig verschwärzt.

Im Rahmen der konservatorischen und restauratorischen Maßnahmen konnte die über die Jahrhunderte verschwärzte Bleiweißfassung gereinigt werden. Die im 19. Jahrhundert überfassten Wappen wurden freigelegt und in ihrer heraldisch korrekten Farbigkeit wiederhergestellt. Im Bereich der Schriftfelder erfolgte die Rekonstruktion der ursprünglichen blauen Farbigkeit mittels Punktretuschen.
Die differenzierte, polychrome Farbgestaltung des Epitaphs ist heute, nach Abschluss der konservatorischen und restauratorischen Maßnahmen wieder in der Kaufmannskirche erlebbar.
Wir freuen uns über das Ergebnis und die schöne Zeit bei den Arbeiten vor Ort.


13. Juni 2019

BTHVN 2020 – Kopien der Beethoven-Masken für die museale Präsentation

Für die Sonderausstellung zum 250. Geburtstag Beethovens BTHVN2020 im nächsten Jahr, haben wir die Totenmaske aus dem Bestand der Klassik Stiftung Weimar und die Lebendmaske aus dem Beethoven-Haus Bonn berührungslos digitalisiert, gedruckt, abgeformt, in Gips gegossen und anschließend für die museale Präsentation im Beethoven-Haus farbig gefasst. Besucher können zukünftig somit die Lebend- und die Totenmaske betrachten und vergleichen. Außerdem wurde ein Tastmodell der Lebendmaske für die Bundeskunsthalle in Bonn angefertigt.


31. Dezember 2018

Was für ein spannendes und ereignisreiches Jahr 2018

Adieu Rosenhof – Willkommen Notenbank!
Im September sind wir umgezogen und das war offensichtlich eine gute Entscheidung. Es ist kleiner aber feiner und wir fühlen uns sehr wohl.

Den größten Teil des Jahres 2018 waren wir mit nur einem Projekt beschäftigt. Der Restaurierung der Plastik EVA von Auguste Rodin aus dem Foyer der Bauhaus-Universität Weimar. Als interdisziplinäres Team von Restauratoren und Restauratorinnen konnten wir die komplexen Herausforderungen bewältigen. Wir haben unter anderem zwei EVAs in 3D digitalisiert, anhand der Daten die Schäden analysiert, die Rückformung geplant und auch erfolgreich umgesetzt. Mit den neu erlernten Technologien konnten wir durch 3D-Modelling und 3D-Druck die beschädigte Schulter rekonstruieren. Die Dokumentation unserer konservatorischen und restauratorischen Behandlungen erfolgt erstmals auch noch zusätzlich als 3D-Kartierung. Pünktlich zum Jahresende konnten wir EVA wieder auf ihren Sockel im Foyer der Bauhaus-Universität Weimar stellen und uns gemeinsam mit sehr vielen freuen.

Die Digitalisierung und Visualisierung von Kunst- und Kulturgut macht uns Spaß. Es ist unfassbar, was mit diesen modernen Technologien plötzlich alles möglich wird. Wir finden dies so spannend, dass wir beschlossen haben uns in Zukunft damit intensiver zu beschäftigen und haben dafür eine neue Firma namens digitus.art gegründet. Die 3D-Digitalisierung und Visualisierung praktizieren wir bereits. Für die besonderen Herausforderungen der Objektfotografie für die Digitalisierung und den 3D-Druck konnten wir Partner „ins Boot“ holen. Aktuell entwickeln bzw. verbessern wir unsere Kompetenzen in der Visualisierung und Animation. Es gibt noch viel zu tun.

Eins unser weiteren Projekte ist die Onlineplattform www.restauratoren.info, eine unabhängige Datenbank zur Kontaktaufnahme zu Restauratoren und Restauratorinnen mit dem Ziel die berufliche Tätigkeit zu unterstützen. Die Website ist seit Mitte des Jahres online und es melden sich immer mehr Kolleginnen und Kollegen an um bei dem Netzwerk mitzumachen.

Auch sehr interessant und spannend war die Rundreise durch Siebenbürgen und seinen Kirchenburgen im April. Zum Abschluss unseres berufsbegleitenden Zweitstudiums, dem Masterstudiengang „Schutz europäischer Kulturgüter / Strategies for European Cultural Heritage“ an der Europa-Universität Viadrina, reisten wir mit unserem Professor und den Kommilitonen nach Rumänien und blickten über den Tellerrand hinaus.

Das Unangenehme zum Schluss: Der nun bereits mehrere Jahre andauernde Rechtsstreit mit einer Sozialkasse welche der Auffassung ist, dass unsere Tätigkeiten dem Handwerk vorbehalten sind, und wir diese nicht mehr ausführen dürfen, hat uns auch in diesem Jahr gut beschäftigt.

und 2019?
Kann kommen! Wir haben viel vor. ;-)